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Güntersberg 

Der Ort Güntersberg liegt ca. 25 km ostsüdöstlich von Stargard und sechs km östlich von Zachan, in der Nähe der Straße Zachan - Ravenstein. Die Kolonie Güntersberg, eine Gründung Friedrichs des Großen, lag vier km nordöstlich Güntersberg in der Nähe von Moderow. Die Gemeinde gehörte zum Amtsbezirk Ravenstein, wo sich auch das Standesamt und die Post befanden. Das Amtsgericht war in Jacobshagen. Im Jahr 1939 betrug die Einwohnerzahl 516 Einwohner, die in 147 Haushalten lebten. Sie war damit niedriger als im Jahre 1910. Damals lebten in Güntersberg 556 Einwohner. Letzter Bürgermeister war August Ladwig, Standesbeamter und Kantor war Lehrer Mattert. Der nächstgelegene Bahnhof lag in Falkenwalde an der Strecke Stargard - Kallies. Der letzte Schulleiter hieß Johannes Eske.

Die Kirche war ein Findlingsbau des späten Mittelalters mit einem rundbogigen Portal. Bemerkenswerte ältere Formen waren nur am Ostgiebel und am Türmchen erhalten. Die Taufe aus Holz stammt aus dem ausgehenden 16. Jahrhundert. Güntersberg bildete zusammen mit Moderow ein Evangelisches Kirchspiel. Der letzte Pfarrer war Pastor Möller-Titel; er verliess Güntersberg um 1930, danach predigten nur noch Vertreter. Im leeren Pfarrhaus wurde in den folgenden Jahren ein Landjahrlager eingerichtet. Die Handwerksbetriebe am Ort waren: Paul Hein - Schmied, Paul Österreich - Schmied und Elektriker, Gustav Köhntopp - Stellmacher und Wagenbauer, Albert Baartz - Schneider. An öffentlichen Einrichtungen gab es eine Poststelle (August Stelter) und eine Raiffeisenbank und Genossenschaft (Lehrer Eske). Die ca. eineinhalb km südlich von Güntersberg gelegene Wassermühle betrieb Wilhelm Schlüter.

Auf vorwiegend lehmig-sandigen bis sandigen Böden wurden Roggen, Hafer, Gerste, Kartoffeln und Futterrüben angebaut, vereinzelt reichte es zum Weizenanbau. Die Bodenqualität wurde mit 25 - 35 Punkten bewertet. In der Tierhaltung waren Rinder und Schweine vorherrschend. Einige Bauern hatten reichlich Grünland, andere mussten zusätzlich Futterpflanzen anbauen.

Als Besonderheit im Gemeindegebiet sind die Maulbeerbäume für die Seidenraupenzucht zu nennen, die etwa 1927/28 vom Turnverein Güntersberg am Sportplatz angepflanzt worden sind. Ein alter großer Maulbeerbaum, vermutlich um 1850 angepflanzt, stand vor dem Krieg an der Landstraße nach Moderow. Auf dem Schulboden befanden sich aus früherer Zeit Geräte, Kisten und Rahmen für die Seidenraupenzucht. Von dem um 1927/28 angepflanzten Bäumen an der dem Hohlweg abgewandten Seite des Sportplatzes standen 1979 mindestens noch drei Maulbeerbäume.

Im August 1920 brannte der Hof von Wilhelm Nawin nach einem Blitzschlag bis auf die Grundmauern nieder, er ist danach wieder aufgebaut worden. In Güntersberg herrschte ein reges Vereinsleben. Es bestanden der „Turnverein Güntersberg von 1924 e. V.", die Freiwillige Feuerwehr Güntersberg und ein Kriegerverein, der dem Kyffhäuserbund angeschlossen war. Zu Ostern wurde von der Jugend Osterwasser vom Mühlenbach geholt, um es zuhause zum Waschen zu benutzen. Das Wasser mußte vor Sonnenaufgang geschöpft werden. Am Karfreitag holte die Dorfjugend aus dem Gutsforst Stolzenfelde Wacholderruten, womit die Dorfmädchen am Ostersonntagmorgen aus den Betten „geprügelt" wurden.


















                                               

                                             

                                        Güntersberg:  Dorfstraße mit Kirche, Gutshof und Schule


Ursprung des Geschlechts der Ritter von Güntersberg

Ein pommerscher Herzog Bogislav hatte bei Zachan ein Schloß. In der Nähe befand sich eine Reiherbeize. Auch auf einer Insel in dem Ravensteiner See erhob sich eine feste Burg. Ein ungeheurer Grenzwald lag zwischen Pommern, Polen und Brandenburg mit seinem großen Wildbestand und mit mächtigen Eichen, in dessen Kronen viele Falken hausten, welcher deshalb „Falkenwald" genannt wurde. Hier erbeuteten die herzoglichen Falkoniere ihre jungen Falken, welche sie zähmten und zur Jagd von Fischreihern und anderen Vogelarten benutzten. Die Reiherfedern schmückten dann die Hüte der pommerschen Herzoginnen und Edelfrauen. Auch bei Falkenwalde war ein Jagdschloß der pommerschen Herzöge.


Einmal hatte ein pommerscher Herzog Bogislaw mit großem Gefolge sich wieder nach „Falkenwald" begeben. Das Jagdglück war ihm hold. Schon schmückten sechs Reiherfedern seinen pelzverbrämten Herzogshut. Da tauchte plötzlich Schwarzwild auf, welches sofort von den Jägern und von der Meute verfolgt wurde. Eine wilde Sauhatz begann. Allen voran jagte Herzog Bogislaw auf einem prachtvollen Rappen. Als die Meute den einen Keiler gepackt hatte, sprang der Herzog schnell vom Rosse, ergriff die Saufeder und fing den Keiler ab. Aber schon stürzten wutentbrannt zwei andere Keiler auf den Herzog los. Im Kampf stürzte der Herzog zu Boden und schwebte in höchster Lebensgefahr. Aber da erschien ein Hirte Günter aus dem Dorfe Falkenwalde, welcher in dem Walde die Pferde gehütet hatte, tötete einen Keiler mit seinem Spiesse und erschlug den anderen mit seinem scharfen Beil. Jetzt kam auch das Gefolge des Herzogs heran, welches ihm vorher nicht hatte folgen können. Da lobte der Herzog den Hirten wegen seines Mutes und seiner Unerschrockenheit, ließ ihn niederknien, gab ihm mit seinem Herzogsschwerte drei leichte Schläge auf den Rücken und ernannte ihn zum „Ritter von Güntersberg".

Als Erinnerungszeichen an diese Errettung aus Todesgefahr schenkte er ihm seinen eigenen hermelinbesetzten, pelzverbrämten Herzogshut mit sechs Reiherfedern und erlaubte ihm diesen Hut mit den sechs Federn und drei Eberköpfen im Wappen zu führen. Auch gestattete er ihm, sich in dieser Gegend eine Burg zu erbauen und
schenkte ihm zu dieser soviel Land, als er in einem Tage auf seinem herzoglichen Rappen umreiten könnte. Der neuernannte Ritter von Güntersberg umritt in wilder Hast eine große Strecke Landes, von Ziegenhagen bis Buslar, Kreis Pyritz, gründete dort, wo sich heute der Kirchhof des Dorfes Güntersberg befindet, eine Burg, und war seinem pommerschen Herzog stets ein treuer Lehnsmann. Bei der Burg Güntersberg entstand nach und nach das heutige Dorf desselben Namens. Das Rittergeschlecht der Herren von Güntersberg starb aus. Ihre Burg zerfiel und verschwand. Kaum weiß man noch die Stätte, an welcher sie gestanden hat.